Es regnet verbrannte Buchstaben

Dieser Sam Greb befindet sich immer noch auf seiner Frühlingsfieberreise, die wohl – nach gegenwärtigen Stand der Dinge – zur Hälfte bewältigt sein soll. Wenn sie nicht doch verlängert wird, die Drahtvögel singen es ja aus den Silberbaumkronen. Nach dem Sam und sein Gefährten nun schon auf der Plantage, im Beton und in der n.a.t.u.r. gesichtet wurden, scheint es so, als hätten sie einen steten Begleiter. Dieser freundliche Fremde kleidet sich in das Gewand einer Frage, das aus folgenden Worten gewebt ist:

Wo kann man die Geschichten aus der Fieberwelt lesen?

Darauf schien Sam Greb nicht vorbereitet, als er aus seinem selbsterwählten Exil zurückkehrte, das er nur mit Hilfe seines stimmgewaltigen Gefährten verlassen konnte. Er meditiert noch über die Antwort, derweil reist er weiter und ritzt wie im Wahn Buchstaben in das Papier.

Ich wage eine Prognose: Bis zum Ende der Frühlingsfieberreise wird dem geneigten Freund der Geschichten aus der Fieberwelt wenig mehr bleiben, als dem bemerkenswerten Stimmtalent von Sams Begleiter zu lauschen. Vielleicht kann ich danach Sam davon überzeugen, dass ich die eine oder andere Erzählung auf meiner Homepage veröffentlichen darf. Und vielleicht finden sich dann noch andere Wege, die Geschichten aus der Fieberwelt zu publizieren. Wenn sich die Gefahr abwenden lässt, dass die fiebrigen Wörter das Papier entzünden, aus das sie gedruckt werden.

Bis dahin wärmt sich Sam Greb das Herz an der bisherigen Ressonanz und hofft, dass sein Publikum ihm weiterhin gewogen bleibt.

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Viel Rauch um Nichts

Da ist es nun schon einige Tage alt, das Rauchverbot in NRW. Das Abendland geht bereits unter. Betreiber geben ihre Lokalitäten und Kaltgetränkeetablissements auf. Einst gesellige Nachtgestalten verziehen sich protestierend in die Einsamkeit ihrer Wohnung. Sozial isoliert droht ihnen eine stärkere Depression als der Nikotinentzug je auslösen könnte. Die ersten Anwohner überziehen Gastwirte mit Klagen. Und das Schlimmste: Jazzmusiker können nicht mehr spielen. Die Kultur an sich ist in NRW bedroht.

Soweit die Situation, doch mal ehrlich: Wo ist das Problem? Warum soll gerade in Deutschland nicht möglich sein, was in anderen Ländern mit ebenfalls erstaunlichen und gesellschaftlich fest verankerten Qualmkulturen seit Jahren gang und gäbe ist? Wie ich erst zu Ostern in Riga erlebt habe – wo man, nebenbei bemerkt, in durchaus länger geöffneten Supermarkten und Kiosken nach 22 Uhr keinen Alkohol kaufen kann; man stelle sich das mal in Deutschland vor –, muss das alles kein Problem sein. Die Kneipen, Bars und Clubs waren gerappelt voll, an jeder Hauswand fanden sich Aschenbecher und Mülleimer, die Polizei musste nicht einschreiten und die Anwohner schienen sehr entspannt.

Aber die deutsche Mentalität zeigt sich in NRW mal wieder von ihrer schlechten Seite: meckern und klagen. Früher war alles besser, heute wird nur noch verboten, einige meinen gar, Grundrechte beschnitten zu sehen. Eine BILD-Zeitungsmentalität, die erst einmal das Schlechte sehen will, anstatt sich gemeinsam zu überlegen, wie man mit der neuen Situation umgehen kann. Lösungen gibt es, wenn man sich nur ein wenig aufeinander einlässt und auch mal von Gewohnheiten ablassen kann, die am Ende ohnehin nur Tabakfunktionäre reich machen.

Die Franzosen schaffen es. Die Briten. Und Iren. Die Türken und Italenier. Aber für die Deutschen geht die Welt unter. Das ist doch mal wieder bemerkenswert, was für ein jammerndes Völkchen wir sind.

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Zwei Zeiten. Zwei Welten.

Vorweg die wichtigste Meldung für alle Freunde des Schwarzen Auges, die sich ein ruhiges Plätzchen im Schatten der Drachen gesucht haben und seit Jahren auf Der Nabel der Welten warten: Seit letzter Woche ist das Manuskript fertig. Die Arbeit ist damit natürlich noch lange nicht final abgeschlossen. Testleser, Korrekturat und Lektorat sind als nächstes am Zug, dann werde ich ebenfalls noch einmal ran, um dem Text den letzten Schliff zu geben, bevor der Roman letztendlich in Satz und Druck gehen kann.

Es ist ein seltsames Gefühl, nach all den Jahren, in denen die Handlung und die Figuren in meinem Kopf gelebt haben, diese zu entlassen. Ein bisschen Wehmut ist dabei. Zwar vermute oder weiß ich, dass die eine oder andere Figur mir noch einmal begegnen mag, aber überwiegend habe ich von ihnen Abschied genommen. Danke, es war eine schöne Zeit! Ihr habt euch wacker geschlagen.

Die Arbeit an Der Nabel der Welten war auch eine Erfahrung, wie sich Das Schwarze Auge entwickelt hat. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, 1032 BF und 1010 BF. Das sind nicht nur 22 aventurische Jahre. 1010 BF, das war Anfang der 90er, eine Zeit, in der sich die heute bekannte und geliebte Spielwelt noch entwickelte. Ich habe viel in alten Publikationen recherchiert – etwa in dem Abenteuer Die Tage des Namenlosen oder den Boxen Götter, Magier und Geweihte und Das Land des Schwarzen Auges, aber auch in dem Kleinod Das Fürstentum Almada: Zwischen Schnee und Wüste –, um etwas von dem damaligen Zeitgeist einzufangen und mit der heutigen Sicht auf die Spielwelt zusammenzuführen.

Wie einfach und – im positiven Sinn – naiv Aventurien damals noch war! Die Welt war gleichzeitig kleiner wie größer. Vieles war noch unbeschrieben, die bekannten Persönlichkeiten waren wirklich bekannt (da es noch nicht so viele von ihnen gab). Borbarad war noch ein Schreckgespenst (er kehrte erst 1994 zurück), vieles, mit dem man sich heutzutage als DSA-Autor mal mit Freude, mal mit Leid beschäftigt, war einfach noch nicht existent. Da kann man schon etwas nostalgisch werden.

Ich hoffe, die richtige Balance gefunden zu haben, die alten wie die gegenwärtigen Zeiten harmonisch zu verweben. Langjährige Aventurienreisende sind eingeladen, ebenfalls der Nostalgie nachzuschmecken. Leser, Spieler und Fans, die noch nicht so lange dabei sind, können nebenbei einen Einblick in die Zeiten erhalten, die da waren und von denen die Alten immer wehmütig erzählen.

Ich lehne mich nun ebenfalls wehmütig, aber auch erschöpft wie erleichtert zurück und freue mich auf die kommenden Wochen, bis dann endlich die letzten Geheimnisse rund um den Umbilicus gelüftet werden.

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Frühlingsfieber

Nachdem dieser Sam Greb nach langer Abwesenheit im letzten Februar in einer riesigen Suppenschüssel gesichtet wurde, scheint er es nun wissen zu wollen. Sam Greb, wohin man blickt. Sam Greb auf der Plantage. Sam Greb in Beton. Sam Greb in der Natur. Sam Greb in Gold und Grün. Sam Greb beim Friseur.

Das Frühlingsfieber scheint diesen exzentrischen Schriftsteller gepackt zu haben. Und ohne Zweifel will er, dass seine Geschichten aus der Fieberwelt gehört werden. Da er selbst nicht spricht – die mannigfaltigen Gerüchte über die Ursache will ich nicht mit weiteren Spekulationen nähren –, wird er auch bei seiner anstehenden Reise von seinem ständigen Gefährten begleitet. Ein wahres Stimmtalent ist dieser ‘dunkle Zwilling’, dass man sich wundert, bisher noch nicht seinen Namen vernommen zu haben. Etwas scheint die beiden aneinanderzuketten, doch auch hierzu weiß man nicht mehr als Gerüchte.

Vor wenigen Tagen ist mir dieser Flyer zugespielt worden, der die anstehende Reise der zwei Fiebergestalten vorzeichnet:

Es beginnt also am kommenden Wochenende auf der bEATPLANTATIOn. Nun verfüge ich über einige Kontakte zu dem schillerndsten Mini-Festival des Ruhrgebiets und habe mich umgehört. Demnach haben Sam Greb und sein Begleiter kurze Anekdoten aus der Fieberwelt im Gepäck und sollen ab 23.00 Uhr über das Gelände wandern. Dabei schauen sie gegen Mitternacht am bunten Zirkusplatz des Chapeau Clubs vorbei, ehe sie gegen 1.00 Uhr im Chill Out residieren werden. Ich werde es im Auge behalten.

Im Mai sollen dann zwei Auftritte in Bochum – beim jährlichen Rundlauf und dem Festival n.a.t.u.r. – sowie ein weiterer in Duisburg im Goldengrün folgen, ehe es im Juni nach Düsseldorf in das damenundherren geht.

Ob dies schon alles ist? Wahrscheinlich nicht. Das Fieber hat Sam Greb gepackt und er scheint nichts unternehmen zu wollen, um es zu senken.

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Mindestlohn am Theater?

In der Friseurbranche haben sich die Tarifpartner auf einen Mindestlohn von 8,50 € geeinigt. Das ist toll! Doch was ist mit dem Theater, diesem leuchtenden Ideal kapitalistischer Selbstausbeutung? Nicht erst seit jüngstem sind die Arbeitswidrigkeiten und Gagenmissstände bei institutionellen wie freien Theaterproduktionen ein Thema. Ich war nun neugierig und habe mich hingesetzt, um zu schauen, was ein Mindestlohn für Theater bedeuten würde. Als Rechenbeispiel nehme ich den härtesten Job am Theater: den Regieassistenten.

Die monatliche Mindestgage am Theater beträgt 1.600 €. Dies ist das Einstiegsgehalt sowohl für Schauspieler als auch für Regie-, Ausstattungs- oder Dramaturgieassistenten, in der Regel also Menschen, die ein abgeschlossenes Studium in der Tasche haben. (Mich selbst sehe ich da als Ausnahme.) Facharbeiter verdienen mehr, aber das wissen wir schließlich.

Das Nervenzentrum der Produktion

Der Regieassistent ist in der Regel der am meisten beschäftigte und am schlechtesten bezahlte Beruf am Theater. (Nur unterboten vom Regiehospitanten, der selten mehr als ein Dankeschön bekommt.) Als Regieassistent ist man das Nervenzentrum einer Produktion. Man ist der Verbündete des Regisseurs, das unermüdliche Helferlein der Schauspieler, Ansprechpartner für wirklich alle Abteilungen. Die Jobbeschreibung lässt sich mit drei Sätzen zusammenfassen: “Ich kümmere mich darum. Ich weiß es. Ich bin schuld.” Neben Organisationstalent sind künstlerisches Gespür, Kreativität und Seelsorge gefragt. Von dem Druck, der auf einem lastet, mal ganz zu schweigen.

Die monatlichen Arbeitsstunden sind schwer einheitlich zu erfassen. Von Montag bis Freitag erwarten den Regieassistenten in der Regel täglich zwei Probeneinheiten á vier Stunden. Dazu kommen die ganzen Vorbereitungen, Telefonate und Sitzungen außerhalb der Probenzeit, so dass ein Arbeitstag locker zehn Stunden beträgt, in der Regel mehr. Den Extremfall der Endproben, bei denen zwischen der Vormittags- und Abendprobe noch die Beleuchtungsproben liegen, man also zwischen 8.30 und 9.00 Uhr das Theater betritt und es häufig ohne Pause gegen 23.00 Uhr wieder verlässt, lasse ich für diese Betrachtung außer acht. Nehmen wir also ein durchschnittliches Minimum von 10 Arbeitsstunden wochentags an, sind wir schon bei 50 Arbeitsstunden.

Mit wochentags ist es aber noch nicht getan. Es gibt noch die Probe am Samstagvormittag, mit Vor- und Nachbereitung nochmals 5 Stunden. Zur Aufgabe des Regieassistenten gehört zudem die Abendspielleitung der Stücke, die er betreut. Und Vorstellungen gibt es natürlich auch am Wochenende. Zu der reinen Spielzeit des Stückes – von 45 Minuten bis mehrere Stunden ein breites Spektrum – gesellt sich die Vorbereitung: Kontrolle der Grundeinrichtung, Anwesenheitscheck der Schauspieler, Einweisung der Statisten, das Lösen unerwarteter Probleme … Eine bis eher zwei Stunden vor Stückbeginn sollte man schon an der Bühne sein. Nehmen wir an, dass ein durchschnittliches Stück mit Pause zweieinhalb Stunden dauert und der routinierte Assistent anderthalb Stunden vorher im Haus ist – kritische Zwischenfälle sind also ausgeblieben –, sind dies 4 Stunden Arbeit pro Vorstellung.

Nota bene: Ja, es gibt Ruhezeiten. Aber Hand aufs Herz: Wann lassen sich diese als Regieassistent wirklich einhalten?

Rechnungen, die man nicht machen sollte

Ein durchschnittlicher Monat hat 30 Tage, von denen per se erst einmal keine frei sind. Gehen wir von vier Wochenenden aus, bleiben 22 Tage á 10 Arbeitsstunden. Dazu gesellen sich 4 Samstage á 5 Arbeitsstunden. Jetzt ist das Repertoire breit aufgestellt, es gibt mehrere Regieassistenten am Haus, man muss also nicht jeden Wochenendtag ran an die Abendspielleitung – aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass mit mindestens vier Vorstellungen an einem Samstag oder Sonntag im Monat zu rechnen ist. Macht zusätzlich viermal 4 Arbeitsstunden. Das sind 256 Arbeitsstunden im Monat. Übernahmen für einen kranken Kollegen und Endproben nicht miteinbezogen.

Eine 64-Stundenwoche. Die Realität überschreitet aber schnell die 70-Stundenwoche oder durchschlägt die 80-Stundengrenze. Aber bleiben wir bei den 64 Stunden, also einem recht normalen, geradezu entspannten Arbeitsmonat. Bei einem Einstiegsgehalt von 1.600 € ergibt dies einen Stundenlohn von 6,25 €. Brutto. Mit dem in der Regel höheren Arbeitsaufwand, sinkt der Stundenlohn schnell unter 5 €. Als ich mir vor einigen Jahren mal den Spaß gemacht habe und in einem wirklich harten Monat meinen Stundenlohn ausrechnete, kam ich auf etwa 2,50 €.

Für einen Beruf, der als Nervenzentrum eine Produktion am Leben hält, ohne den ein reibungsloser Ablauf gar nicht denkbar wäre, der häufig von studierten Menschen ausgeübt wird, ist dies ziemlich ernüchternd. Ein Beruf zudem, bei dem Karrieresprünge eher selten sind und angesichts der bedrohlichen Situation kultureller Einrichtungen immer seltener werden. Trotzdem gibt man sich der Ausbeutung hin, beutet sich mit Freuden selbst aus, denn es ist ein toller Beruf und schließlich erhofft man sich Chancen, das Anhängsel “Assistent” eines Tages abstreifen zu können.

Und nun der Mindestlohn

Mit einem Mindestlohn von 8,50 € – was schließlich auch nur eine Untergrenze darstellt und noch immer zum Verzicht auf viele lebenswerte Dinge zwingt – würde das Assistentengehalt in meinem Rechenbeispiel immerhin schon bei 2.176 € Brutto liegen. Realistischer sind 300 Arbeitsstunden im Monat, damit wären wir bei 2.550 € Brutto. Damit macht man immer noch keine Luftsprünge, aber die Zahlen wirken auf mich schon einmal freundlicher.

Dies sollte natürlich nicht nur für Regieassistenten gelten, sondern für alle Berufe am Theater, die diese wunderbare Kunst am Leben halten und mit Leben füllen. Es ist bitter, dass es eigentlich überflüssig ist, zu erwähnen, das dies nicht eintreten wird. Die Theater könnten es sich schlichtweg nicht leisten. Ohnehin sind in den letzten zehn Jahre schätzungsweise 6.000 Stellen im künstlerischen und nicht-künstlerischen Bereich abgebaut worden. Bei Gehaltsverhandlungen verweist man auf die leeren Kassen: Man würde gerne, wenn man könnte.

Die Verantwortung liegt hier wieder einmal bei der Politik, die sich gerne mit gutlaufenden Häusern von weitläufigem Ruf schmückt, gleichzeitig aber finanzielle Beschränkungen diktiert und wortlos die Ausbeutung von Menschen fordert, die im Falle eines Stadttheaters direkt oder indirekt Angestellte sind. Munter wird der Kulturetat – der nicht nur Institutionen wie Stadttheater betrifft, sondern auch freie Projekte – weiter gestrichen, da man keine einflussreiche Lobby fürchten muss. Dabei liegt er meist ohnehin schon unter 1% des Jahreshaushaltes, im Falle des Landes NRW gar bei 0,33%. Kürzungen sind hier also Makulatur, täuschen aber politisches Handeln angesichts leerer Kassen vor. Die Folgen sind fatal, wird letztlich doch die Kultur mit allen Multiplikatoren beschädigt.

Sieht man das Theater auch als Spiegel der Gesellschaft, sollte man darüber nachdenken. Und nicht dazu schweigen.

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Zwischenfazit: überraschende Erkenntnis

Es haben mehr Figuren überlebt, als ursprünglich von mir geplant. Es ist allerdings fraglich, ob es den Betreffenden damit besser ergeht.

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Wer sollen diese ‘Helden’ sein?

Zeit für ein paar sonntägliche Reflexionen zu Der Nabel der Welten. Dieses Mal geht es nicht um das Buch an sich, sondern um jene Gestalten, die die Geschichte am Leben halten. Es soll geneigte Leser geben, die mit Der Kreis der Sechs warten, bis der Abschluss endlich erschienen ist. Ich werde daher nicht zu sehr ins Detail gehen.

Das Schwarze Auge ist vorrangig ein Heldenrollenspiel. So sehe ich es selbst. Die Helden – die Alter Egos der Spieler – sind am Ende die Guten und retten den Tag. Gleichzeitig mag ich komplexe Charaktere ebenso wie Klischees – letztere auch, weil sie das Spiel mit den Erwartungshaltungen erlauben. Was bedeutet dies nun für einen Roman in der Spielwelt des Schwarzen Auges?

Schon Der Kreis der Sechs erzählte keine klassische Heldengeschichte. Killgorn von Punin ist eher der Antiheld, zu Gorodez Sgirra muss ich dem Kundigen nicht viel erzählen und auch wenn Avesa und Dartan Helden sehr nahe kommen, wie man ihnen auch am Spieltisch begegnen kann, entziehen sie sich – in Der Nabel der Welten noch stärker – allzu simplen Kategorien. Die Wege, die sie einschlagen (müssen), werden die Grenzen noch stärker aufweichen.

Hat mal jemand ‘ne Kippe?

Natürlich gibt es ‘das Böse’ – und wer Teil I gelesen hat, weiß, wen oder was ich meine. Aber ‘die Guten’ – in einem moralischen Sinne – sind nicht zwangsläufig die Helden der Geschichte und die Helden sind nicht zwingend ‘gut’. Einige Protagonisten der Geschichte wollen gerne klassische Helden sein. Zumindest haben sie eine Vorstellung davon, was einen Helden ausmacht. Leider haben sie so ihre Mühen, dieses Bild von sich als Held zu erfüllen. Sie sind nun einmal Menschen und deswegen scheitern sie. Und einer von ihnen will ohnehin ganz garantiert kein Held sein. Vermutlich würde er darüber lachen. Und husten. Das mag ein Grund sein, warum dieser Jemand augenscheinlich am besten klar kommt: Er rennt keinem moralischen Ideal hinterher, sondern ist sich selbst das Maß seiner Handlungen. Aber er wird es nicht so einfach haben, wie er es gerne hätte.

In Der Nabel der Welten setzen die überlebenden Figuren ihre Reise und ihren Kampf fort, wobei die Wahl ihrer Mittel sich verändern wird. Auf eine für sie sehr gefährliche Weise, die schnell klarmacht: Wer auch immer das Ganze überleben wird, wird nicht mehr derselbe sein. Ein ‘Held’ ist es gewöhnt, Übermenschliches zu leisten, selbst für persönliche Opfer bereit zu sein, um ‘das Böse’ zu besiegen und ‘das Gute’ zu bewahren. Nur sind die Protagonisten keine Helden, sondern Menschen, die auf den Preis des Heldentums nicht vorbereitet sind. Genau diese Bruchstelle zwischen dem eigentlichen Charakter einer Figur und dem Bild, was sie von sich selbst hat oder das sie zu erfüllen versucht, macht für mich den größten Reiz an der Geschichte aus. Ob nun Prota- oder Antagonist: Jede Figur, aus deren Perspektive die Handlung erzählt wird, trägt neben allem anderen vor allem diesen Kampf mit sich selbst aus. Manche werden ihn meistern, andere daran zugrunde gehen – und im Ausgang mag es durchaus ein paar Überraschungen geben.

Alte Bekannte und neue Perspektiven

Zu den Perspektiven der überlebenden Figuren gesellt sich eine neue Erzählperspektive, die in der gegenwärtigen Zeitebene eingeführt wird. Es handelt sich dabei um eine Person, die bereits in Der Kreis der Sechs einen kleinen Auftritt hatte. Ursprünglich sollte es am Ende von Teil I nach dem Cliffhanger noch ein kleines Outro geben, in dem wir bereits kurz in die neue Perspektive eintauchen. Ich habe mich dann kurz vor Abgabe dagegen entschieden und bei der Wiederaufnahme lange mit mir gerungen, ob es dieser Perspektive wirklich braucht. Das abschließende Urteil überlasse ich den Leser, doch sie hat sich für mich klar als Gewinn erwiesen, da sie der Geschichte eine andere Färbung und Dynamik gibt.

Daneben werden wieder einige Persönlichkeiten Aventuriens ihren Auftritt haben und eine mehr oder weniger tragende Rolle spielen. Eine Dame durfte ich jüngst in einer Spielhilfe beschreiben, zudem trat sie bereits am Rande von Der Kreis der Sechs auf. Eine andere, besonders gefährliche Dame hat mit beim Schreiben ihrer Szene eine hämische Freude bereitet. Auch wenn sie eher in kleinen Dosen in Publikationen in Erscheinung tritt, wird ihr Name sicherlich bei vielen DSA-Spielern – nicht nur angenehme – Assoziationen wecken. Nur so viel: Sie ist eine Königin.

Genug der Reflexionen an diesem überraschend sonnigen Tag. Was sich zur Zeit ‘Sonne’ nennt, aber man wird mit der Zeit doch genügsam. Mehr demnächst: mehr Der Nabel der Welten und hoffentlich mehr Sonne!

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Ich bin nicht der George R. R. Martin Aventuriens!

Im Oktober 2009 erschien mit Der Kreis der Sechs mein erster Roman in der Welt des Schwarzen Auges. Ursprünglich als einzelner Roman gedacht, zeigte sich schnell, dass die ganze Geschichte nicht in ein Buch passt – und der Verlag, damals noch FanPro, gab grünes Licht für einen Zweiteiler. Perfide endete Der Kreis der Sechs mit einem Cliffhanger. Nur wo bleibt die Fortsetzung?, wurde ich auf Cons, in Mails, Foren und meinem Blog immer wieder gefragt. Nun, sie kommt. Dieses Mal wirklich. Ich habe schließlich nicht vor, in Sachen Fortsetzungen zum George R. R. Martin Aventuriens zu werden.

Mehrerlei spielte eine Rolle für die Verzögerung, es zählt aber, dass der zweite und abschließende Teil von Drachenschatten nun kommen wird. Nachdem ich Bahamuth habe rufen und die Banner habe wehen lassen, konzentriere ich mich ganz auf Der Nabel der Welten. Zumindest, was Aventurien angeht. Und von kleinen Boten-Beiträgen abgesehen.

Die offizielle Ankündigung, wann der Roman erscheint, überlasse ich dem Verlag. Mir genügt es, dass wir uns auf eine Deadline geeinigt haben, die ich fest im Blick habe. Während in den nächsten Monaten auch im Blog von Ulisses Spiele mehr zu Der Nabel der Welten zu lesen sein wird, möchte ich meinen Blog für ganz persönliche Betrachtungen und Gedanken nutzen.

Ein Wiedersehen mit der Familie

Die Wiederaufnahme der Arbeit an Der Nabel der Welten begann nicht im luftleeren Raum. Als ich den ersten Teil beendete, standen Konzept, Aufbau und Inhalt des zweiten Teils. Bevor ich die Arbeit zwischenzeitlich eingestellt habe, waren schon beachtliche Teile geschrieben.

Nun kehrt man nach Jahren zu einem begonnenen Manuskript zurück und es ist ein wenig wie beim Familientreffen, bei dem es die Verwandten übel nehmen, dass man sich so lange nicht gemeldet hat – und sich auch bei den letztenjährigen Treffen nicht hat blicken lassen. Zu meinem Glück haben wir uns schnell wieder zusammengerauft. Am Anfang dauerte es jedoch seine Zeit, bis mir die Handlungen und Gedanken der Protagonisten so leicht wie gewohnt aus der Feder flossen.

Was habe ich mir dabei gedacht?

Ich mag Der Kreis der Sechs. Manchmal liest man alte Texte von sich und ist tendenziell eher erschüttert. Oder wärmt sich am nostalgischen Charme, um das Buch dann ganz schnell wieder zuzuklappen und zu verklären. Als ich bei meinem letzten Umzug die DVD mit der Aufzeichnung einer frühen Inszenierung von mir fand, konnte ich sie mir nicht bis zum Ende anschauen. Eigentlich nur acht Minuten. Zu Der Kreis der Sechs habe ich zum Glück ein anderes Verhältnis. Dennoch fragte ich mich manchmal, wer eigentlich dieser Michael Masberg war, dessen Buch vor dreieinhalb Jahren veröffentlicht wurde. Manches an ihm erkenne ich wieder, manches ist mir heute fremd. Als ich den Roman zur Einstimmung und Recherche gleich mehrmals las, erkannte ich ein paar Punkte, über die ich mit dem Autor des ersten Teils ernste Gespräche führen musste – vor allem bei den mitunter zu häufig wechselnden Perspektiven und – mehr noch – Erzählweisen. Ich gebe es zu, gerade anfangs hatte ich als Autor von Teil II sehr mit mir als Autor von Teil I zu ringen.

Das heißt nicht, dass alles anders wird. Schon um eine einheitliche Form beider Teile zu gewähren, werde ich die grundsätzliche Struktur mit den zwei Zeitebenen und Killgorns persönlicher Sicht der Dinge beibehalten. Aber im Detail arbeite ich daran, mehr aus dieser Form herauszuholen, ohne den Lesefluss zu stören.

Inhaltlich nehmen einzelne Handlungsstränge einen anderen Verlauf als ursprünglich geplant – einen deutlich besseren und spannenderen Verlauf. Hier hat die Geschichte sehr dadurch gewonnen, dass ich ihre Wendungen und einzelnen Szenen mit gehörigen Abstand neu bewerten und überdenken konnte.

Das mag als erster Einblick genügen. Es geht also weiter! Bei nächster Gelegenheit gebe ich mehr Einblicke in das, was den geneigten Leser erwartet – und warum Der Nabel der Welten als Roman in der Welt eines Heldenrollenspiels keine klassische Heldengeschichte ist. Bis dahin kehre ich zurück in das Reich des Horas.

Notiz an mich: Ein gutes Stichwort für Reflexionen zur Quellenrecherche. Macht den Blog sicherlich voll.

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