we went to berlin to go hamburg
Carpe Clown! Chapeau Club! Schönheit! Wahnsinn! Eskalation!
Carpe Clown! Chapeau Club! Schönheit! Wahnsinn! Eskalation!
Nun bekommen wir also eine Große Koalition. 76 Prozent Zustimmung für einen mut- wie farblosen Koalitionsvertrag voller vager Kompromisse und geschickter Hintertürchen – und meine alten Genossen von der SPD, allen voran Sigmar Gabriel, feiern sich. Doch wofür eigentlich? Für mühsam errungene Kompromisse, die als Durchbrüche gelten und mit einer anderen, doch ungeliebten linken Mehrheit einfacher zu haben gewesen wären? Und einer Abstimmung ohne wirkliche Alternativen?
Eines muss man dem Siggi bei seiner sonst so offensichtlichen Unbeständigkeit lassen: Er ist die Sache taktisch klug herangegangen. Statt eine wirkliche Alternative zur Abstimmung zu geben, wurde dieses bejubelte basisdemokratische Experiment des Mitgliedervotums den Genossen so präsentiert, dass sie letztlich nur zustimmen konnten. Klar, natürlich blieb ein in den letzten Tagen viel bemühtes Restrisiko. Aber was waren die Alternativen, die zur Wahl standen? Macht oder Blamage – und da weiß der Sozi, wo er sein Kreuz machen muss. Denn lieber ein behagliches Plätzchen in Muttis Schatten als unkalkulierbare Folgen. Ein klares Nein hätte entweder vier weitere Jahre Opposition bedeutet, in der man sich nicht so gerne sieht, oder im schlimmsten Fall Neuwahlen, nachdem man gerade erst das zweitschlechteste Bundestagswahlergebnis eingefahren hat – und die hätte man wohl mit einer völlig neu aufzustellenden Parteispitze antreten müssen. Denn wie wären die zukünftigen Mitregierenden denn nach einem solchen Misstrauensvotum zu halten gewesen? Die Sozialdemokraten haben viele Eigenschaften. Mut gehört nicht dazu, Mitgliederbefragung hin oder her.
Die Parteiführung beeinflusste damit geschickt die Befragung und kann sich trotzdem nun als legitimiert hinstellen. Dazu kam die einseitige Werbung für die Große Koalition. Eine wirklich lebhafte und konstruktive Auseinandersetzung war von oben nicht vorgesehen, auf Kritik – wie etwa von den Jusos – reagierte man bockig. Wenn man noch den unglücklichen Kanzlerkandidaten dazu rechnet, kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass die Große Koalition von Anfang an das eigentliche Ziel der Parteiführung gewesen ist. Dort lässt es sich auch bequemer regieren.
Es ist geradezu wünschenswert, wenn die SPD für dieses abgekarterte Spiel bei den nächsten Wahlen die Zeche bekommt, auch wenn meine Hoffnung verschwindet gering ist, dass dann endlich bei der alten Tante wirklich eine echte Erneuerung einsetzt. Was bleibt, ist, es der Großen Koalition mit ihrer erdrückenden Mehrheit in den kommenden Jahren so ungemütlich wie möglich zu machen.
Es gibt da eine Tendenz bei Das Schwarze Auge, die mich schon länger beschäftigt und über die ich intern mit Redakteuren und Autorenkollegen wiederholt diskutiert habe. Mit dem Erscheinen der jüngsten Ausgabe des Aventurischen Boten bekommt die Thematik für mich neues Futter und daher möchte ich ganz offen den Fragen nachgehen: Wie sexistisch ist Das Schwarze Auge? Ist vielleicht alles gar nicht so schlimm, da es immer schon so war – oder sollte man es nicht gerade deswegen besser machen? Welches Bild von DSA im Speziellen und dem Hobby Rollenspiel im Allgemeinen wird transportiert? Bedient das Spiel, das ich gerne als mein liebstes Hobby bezeichne, die Klischees von Altherrenfantasien und dem Fantasynerd, der ohnehin nie eine abbekommt? Weiterlesen
Eigentlich muss ich mich nicht motivieren, am kommenden Sonntag zur Wahl zu gehen. Nicht zu wählen, das ist keine Option. Sich aus welchen vorgeschobenen Gründen auch immer von der Wahl fernzuhalten, schwächt nur die Demokratie und ist keinesfalls der Denkzettel, den man vielleicht irgendwem verpassen möchte. Und sich später zwar über die Zustände echauffieren, dabei aber seine Hände in Unschuld zu waschen – man war ja nicht wählen, trägt daher auch keine Verantwortung –, ist mehr als billig.
Doch Wahlen werden schwieriger, schon alleine dadurch, dass die Parteien sich immer ähnlicher werden. Bei den großen Parteien der diffusen Mitte geht es letztlich nur noch um Nuancen. Aber da liegt nicht einmal mein ganz persönliches Problem.
Diese Wahl wird für mich anders. Im Grunde meines Herzens bin ich nicht nur Demokrat, sondern eigentlich Sozialdemokrat, doch die alte Tante mag ich nicht mehr besuchen. Und das nicht nur, weil es bei ihr ein wenig muffig riecht. Weiterlesen





